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Freitag, 5. Dezember 2008

Politischer Witz

Ein Nachbar kommt vorbei und zeigt mir einen (auf Papier ausgedruckten) Witz:

Ein israelischer Arzt bemerkt:
Die Medizin ist in Israel derart weit fortgeschritten, daß wir einer Person die Hoden entfernen, sie einer anderen einsetzen - und schon sechs Wochen danach ist sie auf Arbeitssuche.

Ein deutscher Arzt bemerkt dazu:
Das ist garnichts. In Deutschland entfernen wir bei einer Person einen Teil des Gehirns, setzen es einer anderen ein - und in vier Wochen schon geht sie auf Arbeitssuche.

Ein russischer Arzt sagt:
Das bedeutet auch nichts. In Rußland ist die Medizin derart weit fortgeschritten, daß wir einer Person die Hälfte seines Herzens entnehmen und es einer anderen einsetzen können - und in zwei Wochen suchen beide nach Arbeit.

Worauf der spanische Arzt entgegnet:
Das ist garnichts, Sie sind alle sehr weit zurück. Stellen Sie sich vor: wir in Spanien ergriffen eine Person ohne Gehirn, ohne Herz und ohne Hoden, setzten ihn als Regierungschef ein - und jetzt ist das ganze Land auf der Suche nach Arbeit.

[Ende des Witzes]

Die Situation erlaubte es mir nicht oder die Courage fehlte, zum Ausdruck zu bringen, daß für mich der Witz einen so großen Reiz nicht hätte, und so lachte ich, wie man es erwartete ...

Anschließend dachte ich nach über das, was geschehen war. Welch Opportunismus ließ mich über einen Witz lachen, von dem ich mir, selbst wenn ich politisch rechts stünde, nicht vorstellen kann, daß er mir gefiele?

Ich glaube nicht, daß der Nachbar, der mir den Witz brachte, dies in der Absicht einer politischen Provokation tat. Eher habe ich einmal mehr (ich hörte hier schon mehr Witze, die mich nicht lachen ließen) den Eindruck, daß die Wahrnehmung von dem, was Witz und Humor ist, in Spanien andere Ausprägungen als in Deutschland hat.