Sonntag, 19. Juli 2009

Ende einer Dorfwirtschaft alter Art

Wieder einmal ein Ausflug nach Noviales, einem in einer sehr schönen Landschaft gelegenen Dorf in der Provinz Soria:

Seine Wirtschaft bildet nicht das einzige Motiv zum Besuch dieses Dorfes, aber es erscheint immer angeraten, zunächst dort vorbeizugehen, um zu sehen, ob sie geöffnet ist:

Heute ist die Bar Cervantes tatsächlich offen, aber die Überraschung ist groß, wenn man beim Eintritt die Regale der Wirtschaft:

... wie auch das Tischlein, das früher der Auslage einiger Lebensmittelprodukte diente (sozusagen ein winziger Laden als Teil der Wirtschaft):

sehr leer sieht.- Der Grund ist, daß derjenige, der vorher für die Wirtschaft zuständig war, vor kurzem gestorben ist und der, der ihn jetzt vertritt, dies nicht mit dem Gedanken der Weiterführung des Lokals tut.

Hier ist zu sehen, wie gut zwei Wochen vorher die Wirtschaft und sein kleiner Laden ausgestattet waren:

Die Dekoration der Wände wenigstens war noch nicht angetastet worden, derart, daß ich den Freunden, die mich begleiteten, auf der Karte der Provinz Soria die Lage von Noviales in deren äußerstem Südwesten zu zeigen vermochte:

Selbstverständlich muß zugegeben werden, daß die an den Wänden angebrachten Bilder und Texte nicht mehr als normal in solch einer Wirtschaft anzusehen sind, sondern daß ihnen in solch Umgebungen eher und häufiger im Spanien der späten siebziger und der achtziger Jahre zu begegnen war:

Aber: Was macht's!? Gewiß, es wird der Wirtschaft dadurch ein besonderer Stempel aufgedrückt, aber das hält die Leute nicht davon ab, etwas zu trinken und dabei sich zu unterhalten, Karten zu spielen oder Fernsehen zu schauen, und es schadet und belästigt fast niemanden - ich sage fast, weil es Gerüchte gab, daß es von irgendwoher (es wird nicht spezifiziert welcher Autorität) Druck ausgeübet wird, eine "Säuberung" der Wände vorzunehmen.

Letzte Nachricht: Anderthalb Monate später sah ich die Wände bereits "sauber".

Donnerstag, 9. Juli 2009

Landkarten in Madrid kaufen

In Spanien Landkarten zu kaufen ist nicht so einfach, das heißt: Läden zu finden, in denen man das, was man sucht, findet, ist schwierig, und deshalb hatte ich großes Interesse, einen Laden kennenzulernen, den man mir in dieser Hinsicht empfahl, nämlich die Tienda Verde in Madrid, um dort die Probe zu machen, nach Karten (bis zum Maßstab 1:25.000) fragend, die mich interessierten.

Heute ging ich hin, und es war ein großer Erfolg: der Laden verdient wirklich empfohlen zu werden, man fühlt sich bestens bedient; um welche Karte man auch bittet - in wenigen Augenblicken wird sie Dir vorgelegt! Außerdem herrscht in diesem Geschäft eine menschliche Atmosphäre: eine Katze suchte gerade einen Platz auf dem Tresen, um sich dort niederzulassen, und in meinem Fall hatte ich das Glück, daß der Herr, der mir die Karten aus dem Lager holte, mich nebenbei auf eine sehenswerte riesige Steineiche (Naturdenkmal) hinwies, die garnicht weit weg von meinem Wohnort stand.

Zudem liegt dieser Laden in einem Stadtteil, den zu durchstreifen mir gefiel (Calle Maudes, in deren Nr. 38 sich die Tienda Verde befindet, und dann z.B. in die calle Ponciano einbiegen, nach Süden laufend):

Freitag, 26. Juni 2009

Burgos 1: Der Bahnhof bis Dezember 2008

Gleich bei der Ankunft beobachtete ich drei Personen, die die (bereits demontierten) Gleise überquerten, freilich nicht ohne sich eine Weile damit zu unterhalten, Steine, die sie dem Gleisbett entnahmen, auf die Glasbausteine zu werfen, die in den Trennwänden des ehemaligen Bahnsteigs noch unbeschädigt waren:

Angesichts solcher Glaszerstörungslust überrascht es, daß von diesen einige noch über verhältnismäßig große Segmente heilgebliebener Glasbausteine verfügen; hier ein Blick auf das Bahnhofsgebäude und auf das, was einst der Ausgang in die Bahnhofshalle war:

Sobald der alte nach Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs Burgos Rosa de Lima im Dezember vergangenen Jahres aufgegeben war, bestand die Lösung des Problems, die Gebäude vor weiterer Zerstörung zu bewahren, darin, die Türen und Fenster zuzumauern - wie man es zum Beispiel an dem sieht, was einmal die Toiletten und das Lager für Beleuchungseinrichtungen aufnahm; hier der frühere und der jetzige Zustand:

Und so sieht heute der direkt mit der Bahnhofshalle verbundene Bahnsteig aus, am Gleis 1, dem mit den meisten Zugbewegungen in diesem Bahnhof, Züge eingeschlossen, die nach Lissabon und Paris gingen:

Welch Zeiten, als wir die Zeit des Wartens auf den Zug durch Betrachtung dieses kleinen Schaufenster-Museums mit seiner Ausstellung von früheren Eisenbahn-Utensilien, das sowohl den Blick auf den Bahnsteig als auch ins Innere der Bahnhofshalle zuließ, kürzer werden lassen konnten!

Ebensowenig fehlte das Zubehör, das zu vielen Bahnhöfen Spaniens gehört:

Zwei Ansichten des Bahnhofs vom Norden und von Nordost aus:

(Bemerkung: Was man hinten sieht, das sind nicht die Türme der Kathedrale, sondern die zwei riesig hohen Kiefern, die auf dem Bahhofsplatz stehen).

Leider kommt die Schönheit des Hauptgebäudes des Bahnhofs von dieser Seite aus gesehen nicht recht zum Vorschein, der wohl schon vor Jahrzehnten gebauten Bahnsteigüberdachungen wegen.

Nach Süden gehend nimmt einen von de übrigen etwas getrennten Bahnsteig wahr, von dem, wenn ich mich nicht falsch erinnere, früher die Schienenbusse (zwei pro Tag!) nach Madrid (via Aranda de Duero) abfuhren, mit Halt auf fast allen Stationen der Strecke:

Überraschend ist, daß man noch weiter weg, am südlichen Ende dieses Bahnsteigs, noch Eisenbahn-Material findet, das bisher weder zerstört noch entwendet wurde:

Vom Bahnhofsvorplatz aus läßt sich die schöne Architektur dieses vom Anfang des vergangenen Jahrhunderts stammenden Bahnhofs wahrnehmen:

Mit Blick auf dieses Detail:

könnte man träumen daß es sich hier um die Wohnung des Bahnhofsvorstehers handelt, an einem Spätnachmittag im Juni, um 20:20 h- bis man dessen gewahr wird, daß diese Uhr für immer stehengeblieben ist.

Burgos 2: Rundgang durch die Stadt

Das Hauptmotiv meines Eintagesausfluges nach Burgos war die Besichtigung dessen, was von dem alten Bahnhof noch zu sehen ist, und ein wenig Erholung von der ländlichen Idylle. So ließ ich also das große Bauwerk aus, das die Kathedrale bildet, und widmete mich anderen Aspekten der Stadt:

Das Netz der Fahrradwege roter Farbe kannte ich noch nicht:

Sie sind selbstverständlich zu schmal; das, was man sieht, sind die Fahrradwege für beide Richtungen.

Aber die Absicht zählt, und die ist gut, und ich habe auch den Eindruck, daß die für Fahrradfahrer entwickelte Infrastruktur sich einer guten Aufnahme erfreut; das heißt, daß man ziemlich viel Menschen sieht, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, so viel, wie ich es noch in keiner anderen Stadt Spaniens gesehen habe.

Burgos am Vorabend seines Festes, wie dieses riesige an einer Fassade des Hauptplatzes aufgehängte Plakat wissen läßt:

Mich zunehmend mehr von den Punkten entfernend, auf die sich touristisches Interesse konzentriert, stieß ich in der Calle San Juan auf die Wirtschaft München:

UNd da der Nachmittag recht warm war, trat ich ein, um ein Bier zu trinken.

Interessant ist zu sehen, wie man hier in den Wanddekorationen die sich ums Bier rankenden Bräuche der Bayern sieht:

Diesem Lokal fast gegenüber diesem Lokal gibt 's ein anderes, das dem Kölsch aus Köln die Ehre erweist ... - doch es war noch geschlossen, so daß ich diesen Nachmittag ein Bier weniger trank als es mir der Hitze wegen gefallen hätte:

Vor der Rückkehr zum (alten) Bahnhof, um dort mit der Nachmittagssonne mehr Photos aufzunehmen kaufte ich in diesem Brillengeschäft das, was die Spanier Brille zum Lesen nennen, da ich in dem Auto, daß mich morgens nach Burgos gebracht hatte, meine gute Brille vergessen hatte:

Nach sehr liebenswürdiger Beratung zog ich mit einer Brille ab, mit der ich bestens lesen konnte und die mich nur 27 EUR kosteten; und nun frage ich mich, warum meine individuell angepaßte und geschliffene Erstbrille seinerzeit 400 EUR gekostet hat ...

Burgos 3: Rückfahrt nach Aranda de Duero

Nach Aranda de Duero fahre ich mit dem Zug (TALGO) zurück (mein Auto hatte ich im Bahhof von Aranda abgestellt), der von Burgos Rosa de Lima um 19:55 h abfährt. (Von den Problemendie Fahrkarte für diesen ZUg zu lösen, werde ich anderentags sprechen).

Im Zentrum von Burgos (Plaza de España) muß man den Bus nehmen, um in gut 20-minütiger Fahrt zum Bahnhof zu kommen. Dieser Autobus (der städtischen Verkehrsbetriebe) verkehrt stündlich, was bedeutet, daß selbst die beträchtlich kleinere Provinzhauptstadt Segovia, wo der (neue) Bahnhof auch ziemlich weit draußen liegt, die Verbindung zum Stadtzentrum viel besser ist (42 Fahrten innerhalb von 15 Stunden, das heißt fast 3 pro Stunde).

Hier der Zug, de man Alibizug nennen kann:

5 Wagen und eine Lokomotive für den Zug, der in Burgos eingesetzt wird und in Madrid endet, mit einem einzigen Halt (Aranda de Duero). 3 Wagen der 2. Klasse, 1 Wagen für die Bar, und ein weiterer der 1. Klasse.

Ich sagte Alibizug weil es offensichtlich ist, daß die Spanische Eisenbahngesellschaft oder das zuständige Ministerium diese über Aranda de Duero führende Bahnverbindung einstellen wollen: Aranda de Duero kommt weder an dem dieser Haltestelle gebührenden Platz in RENFE noch gibt es diese Haltestelle zum Beispiel bei der Deutschen Bahn (obgleich es Pancorbo dort durchaus gibt).

Einer der Wagen der 2. Klasse, absolut leer:

Aber der erste Eindruck täuscht: Bei der Abfahrt aus Burgos gibt es genau 2 Reisende (beide der 2. Klasse).

Außerdem: 2 Eisenbahnschaffner, zusätzlich die Besatzung der Lokomotive (mindestens 1 Person); schließlich ist der Kellner zu nennen, der die Bar betreut.

Zur Bar: ich bat dort um ein Bier. Sagt der Kellner, daß es nur Bier ohne Alkohol gibt. Ich bitte um einen Rotwein - der Kellner sagt, daß ich Glück habe, daß ich gerade noch die allerletzte kleine Flasche bekomme (er fügt hinzu, daß es vom Weißwein noch ein paar Fläschchen mehr gäbe). Bis Aranda de Duero gab es in der Bar keine weiteren Gäste.

Im übrigen war's eine sehr angenehme Reise, hinsichtlich dessen, was man von der Landschaft sah. Hier die Durchfahrt auf der Höhe von Lerma, ziemlich verlängert des großen Umweges wegen, den der Zug dort zu nehmen gezwungen ist:

Ankunft in Aranda de Duero um 21:03 h: pünktlicher konnte der Zug nicht sein!

Abfahrt des Zuges in Richtung Madrid mit einer einzigen Reisenden, weil die zwei, die es bis Aranda gab, hier ausstiegen und dort nur eine Reisende einstieg: