Mittwoch, 14. Juli 2010

Von Moral de Hornuez nach Valdevarnés

Auf der Karte sieht es sehr einfach aus: zwischen den Dörfern Moral de Hornuez und Valdevarnés (Provinz Segovia) verläuft ein Tal, in dessen Zentrum ein Bach fließt:


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Als Zentraleuropäer denke ich, daß es ein leichter und attraktiver Spaziergang sein müßte, von Moral de Hornuez nach Valdevarnés zu laufen, auf das Flüßchen begleitenden Pfaden.

Áber die Wirklichkeit war total anders, an diesem Hochsommertag: von einem Bach keine Spur, kein Tropfen Wasser, alles trocken. Obendrein eine überaus üppige Vegetation, des feuchten Frühjahrs wegen, das heißt: auch von Pfaden keine Spur!

Die Frage war: Umkehren oder weitergehen? Wir gingen weiter, mit festem Schritt, um die Schlangen zu vertreiben und mit Entschlossenheit die üppig wachsenden Pflanzen niederzutreten.

Aber das ja, landschaftlich attraktiv war die Wanderung:

Nach diesem Weg, der, ohne es zu wollen und ohne es sich vorher so vorgestellt zu haben, etwas abenteuerlich ausgefallen war, schien uns das Auftauchen der Kirche, die anzeigte, daß unser Ziel nah war, so etwas wie die Rettung zu bedeuten:

Und der sich nach dem Verlassen des Tals öffnende Blick glich die hinter uns liegenden Anstrengungen gut aus:

Mittwoch, 30. Juni 2010

Deutschland wählt neuen Präsidenten

Die Präsidentschaft der Bundesrepublik Deutschland hat einen eher zeremoniellen Charakter. Trotzdem entschieden die Verantwortlichen, ansonsten sehr damit beschäftigt, zu sparen wo es nur geht, nicht, dieses Amt mitsamt seinem Personalbestand und damit einhergehenden Kosten abzuschaffen, als vor ungefähr einem Monat der Bundespräsident Köhler zurücktrat.

Derart, daß heute die Wahl eines neuen Präsidenten ansteht. Es wählt ihn die sogenannte Bundesversammlung, die sich aus den Mitgliedern des Bundestages und einer gleichen Zahl von von den Länderparlamenten entsandten Personen zusammensetzt; deren politische Ausrichtung entspricht in etwa der Stärke der Parteien in den regionalen Parlamenten.

Zwei Kandidaten mit Chancen gibt es: der eine - Christian Wulff - sein ganzes Leben ohne größere Verdienste als ein treuer Gefolgsmann der CDU gewesen zu sein, in seiner Jugend durchaus mit dem Ruf eines Rebellen, aber mit den Jahren sich im rechten Flügel dieser Partei positionierend; der andere - Joachim Gauck - eine wirklich unabhängige Persönlichkeit und mit einer gewissen moralischen Autorität versehen, und außerdem mit sehr großen Sympathien in der Bevölkerung.

Meine Hoffnung, daß die, die heute abzustimmen hatten, sich nicht von Parteidisziplin leiten ließen und ihre Stimme dem Kandidaten geben würden, der nicht angetreten war, um die Kontinuität der Macht der derzeitigen Mehrheitsparteien von Mitte-Rechts zu garantieren, sah sich enttäuscht.

Und der Gipfel ist, daß es ausgerechnet der Stimmenthaltung der sich "Die Linke" nennenden Partei verpflichtet fühlenden Wahlpersonen zu verdanken ist, daß der Kandidat von Mitte-Rechts gewann. Was heißt, daß die, die vorgeben, die Linke zu vertreten, jemandem zum Erfolg verholfen haben, dessen Ruf als Konservativer wohlbekannt war.

Samstag, 12. Juni 2010

Warenmesse in Campo de San Pedro

Diese Messe wird von der Fundación para el Desarrollo Rural "Macario Asenjo Ponce" (Stiftung "Macario Asenjo Ponce" für die ländliche Entwicklung) organisiert, deren Sitz sich in Campo de San Pedro (einem Dorf im Nordosten der Provinz Segovia) befindet und die im Eingang des Hauptzeltes die Leute mit diesem Stand empfängt:

Unter den beitragenden Institutionen ist die bedeutendste CODINSE (Coordinadora para el Desarrollo Integral del Nordeste de Segovia = Koordination für die Gesamtentwicklung des Nordostens der Provinz Segovia), auch mit dem Sitz in Campo de San Pedro, die sich im Stand gleich daneben vorstellt:

Was die Personen und Institutionen umtreibt, die sich um die Organisation dieser Messe (dieses Jahr zum fünften Mal) kümmern und sie unterstützen, das ist der Versuch, den Abstieg dieser Gegend dadurch zu bremsen, daß man wirtschaftliche und kulturelle Perspektiven schafft und damit ihre Zukunft sichert - und dies ohne in die Falle zu tappen und sich als Gastgeber eines atomaren Zwischenlagers herzugeben.

Das Programm der Veranstaltung ist vielseitig. Es schließt zum Beispiel eine Fahrradtour (Marcha Cicloturista) ein:

an der teilzunehmen mir im Prinzip gefallen hätte - aber in guter Kenntnis der vorgesehen Route und der Grenzen meiner Kräfte ließ ich davon ab.

Außerdem gab es eine Ausstellung alter Landwirtschaftsmaschinen:

wie auch eine über traditionelle Kleidung, in der mir besonders dieser (unbewußte?) Bezug auf die Farben der Spanischen Republik Freude bereitete:

In einer vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Gegend ist es nicht überraschend, daß viele der Stände im Hauptzelt das Thema des guten Essens behandelten:

... und des guten Trinkens, sowohl des Weines vom Duero:

als auch, zum Beispiel, der Milch aus Segovia (siehe die Pakete links):

Aber ebensowenig fehlten die Stände, die ihre Produkte und Lösungen für Bauten und andere praktische und konkrete Fragen des täglichen Lebens hierzulande anboten:

Und andere gaben sich Mühe, ihre folkloristischen und musikalischen Aktivitäten vorzustellen:

Nach all diesen Informationenu und Eindrücken während des ganzen Tages erfreute die Einladung, den Tag mit einem zweistündigen Konzert zu schließen:

Dienstag, 1. Juni 2010

Burgos anders

Klar, der, der bei seinem Burgos-Besuch nur einen Tag oder weniger zur Verfügung hat, der muß sich auf die Kathedrale und die Plaza Mayor etc. konzentrieren; ich habe das Glück, diese Stadt wiederholt besuchen zu können, und heute widmete ich mich der Erkundung von etwas peripheren Vierteln.

Nach dem Überqueren des Flusses und dem Passieren der Autobus-Station gelangt man bald zu einigen Straßen, deren Häuser ziemlich aus dem Rahmen herausfallen, den man gerade in Burgos, einer sehr kastilischen Provinzhauptstadt, erwartet:

Es gibt sogar Häuser, die man eher im Norden, z.B. im Baskenland erwartet:

Auf dem Rückweg ins Zentrum, um dort eins der Fahrräder zu nehmen, die das Rathaus zur Verfügung stellt, gefiel mir dieses Grundstück:

Mit dem Fahrrad fuhr ich in den Norden der Stadt und lernte ein Viertel kennen, das mir tatsächlich gut irgendwohin in den Niederlanden zu passen schien:

Auf der Rückfahrt stellte ich schließlich den Kontakt mit dem bekannten Burgos wieder her:

... obwohl ich annehme, daß es viele Einwohner von Burgos geben wird, die diesen Eingang in ihre Stadt nicht wiedererkennen ... :-))

Donnerstag, 20. Mai 2010

Gregorianischer Choral in Maderuelo

Gegen 6 Uhr nachmittags verbreitet sich die Nachricht in Maderuelo (Prov. Segovia), daß um 7 Uhr Mönche aus Santo Domingo de Silos in der Kirche singen werden. Diese Neuigkeit erscheint unglaublich: Mönche aus einem Zentrum der Pflege des gregorianischen Chorals von weltweiter Bedeutung lassen sich dazu herab, ihre Kunst in diesem kleinen Dorf zu Gehör zu bringen?

Aber es war wahr: um 7 versammeln sich 22 Mönche der Benediktinerabtei Santo Domingo de Silos in der Kirche Santa María zu ihrer etwas mehr als eine Stunde dauernden Messe, mit der Liturgie in Form des gregorianischen Chorals; sie werden dabei von einem knappen Dutzend Vertretern der Dorfbevökerung begleitet.

Zum Schluß, als wir alle, Kleriker und (gläubige und ungläubige) Laien aus der eiskalten Kirche mehr oder minder durchgefroren heraustreten, um uns der Wärme zu erfeuen, die noch auf dem Platz herrschte:

- (alle auf diesem Photo zu sehenden Männer, außer dem, dessen Gesicht mit XXX bezeichnet ist, sind Mönche; mir fiel positiv die informelle Art auf, in der sie gekleidet waren) - klärte sich alles auf: diese Gruppe von Mönchen hatte sich entschlossen, auf ihrem Tagesausflug Maderuelo einen Besuch abzustatten, und so traf es sich, daß ihre Messe dort stattfand, und sie damit uns die Gelegenheit gaben, ihrer Liturgie zu folgen - was unseren aufrichtigen Dank verdient!

Donnerstag, 6. Mai 2010

Rettet den Bahnhof von Segovia!

Seit sehr wenigen Jahren verfügt Segovia über einen Bahnhof für Hochgeschwindigkeitszüge, Segovia AVE oder Segovia Guiomar genannt: einige Kilometer außerhalb der Stadt; mehr oder weniger das gleiche Vorgehen wie in Burgos, aber mit dem bedeutenden Unterschied, daß der Bahnhof Burgos vollkommen stillgelegt wurde, während der mitten im Stadtzentrum gelegene Bahnhof von Segovia (noch) in Betrieb ist, Montag bis Freitag fahren acht Züge Richtung Madris (davon 7 direkte), die übrigen Tage nur fünf:

Es handelt sich um einen stattlichen Bahnhof:

dem zugleich nicht eine gewisse Verspieltheit fehlt, wie, zum Beispiel, am Eingang zu sehen:

Vor 22 Jahren ist er ein Jahrhundert alt geworden:

Aber heutzutage zeigen sich gewisse Anzeichen der Vernachlässigung:

Eine Vernachlässigung, die zu bemerken ist, wenn man durchs Vestibül gehend in den Bereich der Gleise gelangt. Auf den ersten Blick sieht alles ganz gut aus, auf dem Bahnsteig 1 fehlt noch nicht einmal einer dieser Bildschirme, die die Ankunft und Abfahrt der (bedauerlicherweise wenigen) Züge anzeigen:

Aber beim Übergang zu den anderen beiden Bahnsteigen bietet sich ein ziemlich trauriges Bild:

Der gleiche Eindruck stellt sich bei Betrachtung der Gebäude ein, die einst Teil des Bahnhofs bildeten und dem Transport von Waren und Materialien (zum Beispiel für die Glasfabrik der La Granja) wie auch dem des Viehs (als Etappe des Weidenwechsels) dienten:

ES fällt allerdings auf, daß neben all der Anzeichen des Verkommens es einzelne offensichtlich auch noch in neuerer Zeit gut gepflegte Objekte gibt:

Die übrigen einst der Wartung der Lokomotiven gewidmeten Bauwerke und Einrichtungen sind dagegen ihrem Schicksal überlassen:

Die Ästhetik, die am Rande zu beobachten ist - beachtet diese beiden Geichter mit Augen, Nase und Mund! ...

... hat nichts mehr mit der ursprünglichen Funktionalität dieses Ortes zu tun.

Zusammenfassung: Dank des Umstandes, daß auf dem Nicht-Hochgeschwindigkeits-Bahnhof von Segovia noch Züge verkehren verkehren ist der ganze Bereich noch nicht so heruntergekommen wie der ehemalige Bahnhof von Burgos, aber das Risiko, daß er gleich endet, ist offenkundig.

Dienstag, 27. April 2010

Seit wann heißt Bier auch Dok?

Unter den Plakaten, die für ein Dokumentarfilm-Festival werben und darüber informieren, fand ich dieses irgendwie nett: