Sonntag, 7. November 2010

Orihuela II und Callosa de Segura

Sonntagsausflug: von Alicante in den Süden der Provinz. Auf dem Fußweg zum Bahnhof begegne ich in der Av. de Jijona (etwa auf der Höhe der Calle Crevillente) dieses Plakat, das ich bereits am Abend vorher sah, von dem ich aber nicht zu hoffen wagte, daß es die Nacht überlebte:

(Versteckt die Kinder, der Papst kommt!)

Klar, dieses Wochenende ist der Papst zu Besuch in Spanien, was nicht alle mit Freude erfüllt. Ich finde es eher seltsam, daß in den Straßen nicht mehr Protestplakate gegen den Papst und seine unverhüllte Absicht zu sehen sind, sich in die inneren Angelegenheiten des Landes einzumischen.

Im Bahnhof angelangt wurde Dank einer Ausstellung von Photographien zum Thema Eisenbahn die Zeit des Wartens bis zur Abfahrt des Zuges weder lang noch langweilig:

(2002 / Viaje del tren a través del tiempo. José Manuel Sánchez Barrado, Zamora; Reise mit dem Zug quer durch die Zeit)

Da die Photographien mit Glasscheiben geschützt waren, ergaben sich interessante Überlagerungen der eigentlichen Aufnahmen und dem, was man in der Spiegelung von den Strukturen der Bahnhofshalle sah:

Großes Erstauen bei der Ankunft in Orihuela, der neuen Benennung der Haltestelle wegen - sie nennt sich nicht mehr Orihuela (so, wie noch bei meinem letzten Besuch im vergangenen Jahr, sondern Orihuela Miguel Hernández:

Der Dichter Miguel Hernández wurde vor genau 100 Jahren (am 30. Oktober) in Orihuela geboren (und starb am 28. März 1942, krank nach seinem Weg durch die Gefängnisse der Sieger des Bürgerkrieges). Je mehr ich in den letzten Wochen über Miguel Hernández gelesen habe, umso mehr gefällt er mir und umso mehr Wertschätzung und Aufmerksamkeit scheint er mir zu verdienen. Aber von hier bis zu dieser Demonstration auf den Schildern des Bahnsteigs der Eisenbahn-Haltestelle ... ?

Nun gut, es scheint eine Mode oder Manie der spanischen Eisenbahnen zu sein, ihre Bahnhöfe nach herausragenden Persönlichkeiten zu benennen; ich kannte das von großen Bahnhöfen wie Burgos Rosa de Lima, Málaga María Zambrano y Segovia Guiomar (welch Einfall, mit dem Namen, den Antonio Machado benutzte, um sich an seine Geliebte Pilar de Valderrama zu wenden, einen Bahnhof zu taufen!), aber bei diesem ziemlich kleinen Bahnhof von Orihuela erscheint es noch befremdlicher.

An vielen Stellen wird die Erinnerung an den vor einem Jahrhundert in dieser Stadt geborenen Miguel Hernández wachgehalten, eine Ehrung des Dichters, an der auch nur wenig zehrt, daß dahinter eine gute Portion kalten Kalküls von Stadt-Marketing steckt:

Die Straße, die zur Casa-Museo Miguel Hernández führt, stellt sich sehr pittoresk dar; ich nehme an, daß sie zu Lebzeiten des Dichters grauer erschien:

Im übrigen lohnt stets ein Rundgang durch das Zentrum der Stadt mit seinen Geschäften:

Mit dem Zug sind es von Orihuela in Richtung Alicante weniger als 10 Minuten bis zum Bahnhof von Callosa de Segura:

Eine Stadt, die mit ihren 18000 Einwohnern sehr viel kleiner als Orihuela (86000 Einw.) ist, aber auch durchaus lohnt, die Reise zu unterbrechen, um einen Rundgang durch ihre Straßen und Gassen zu machen und die Landschaft zu betrachten, in die sie eingebettet ist:

Dienstag, 2. November 2010

Zaragoza nach Canfranc, hin und zurück

Täglich fahren zwei Züge von Zaragoza nach Canfranc (und umgekehrt), der in den Pyrenäen gelegenen Grenzstation. Wir nahmen den Zug, der von Zaragoza in aller Frühe abfährt:

Auf der Reise von knapp 4 Stunden (mit der Tarjeta Dorada für ältere Leute 7,85 EUR) führt der Streckenverlauf erst nach Huesca und dann den Gebirgszug der Pyrenäen begleitend, nach und nach sich dem Gebirgskamm nähernd.

Bald nach Verlassen der Hauptstadt der Provinz Huesca beginnt man im Norden, noch in der Ferne, die Berge zu sehen:

Der Zug beträgt sich nicht wie die Hochgeschwindigkeitszüge, die an nur sehr wenigen Bahnhöfen halten und den Bewohnern kleinerer Orte keine Mobilität bringen, sondern hat viele Haltestellen und gibt damit Gelegenheit, in Ruhe die Bahnhofsgebäude zu betrachten.

Gewiß, dieses ist komplett zugemauert, aber an den Papierkörben und Leuchten sieht man, daß er noch nicht von RENFE (der für den rollenden Verkehr zuständigen Eisenbahngesellschaft Spaniens), oder wie es heute korrekter zu sagen ist: von ADIF (der neuen für die Bahnhöfe zuständigen Gesellschft) komplett verlassen worden ist:

Anders sieht es an der Haltestelle Riglos aus: anstatt das Bahnhofsgebäude ordentlich herzurichen, setzte man einige Betonplatten zusammen und glaubte damit seine Schuldigkeit getan zu haben, daß man zwei Laternen dazustellte:

Die Ausblicke auf die Landschaft entschädigen für den schlechten Geschmack der Eisenbahn-Architekten.- Die bekannten Mallos de Riglos (an ihrem Fuß liegt das Dorf Riglos):

Nicht die einzige tolle Landschaft - die ganze Reise gibt es eine Reihe davon, wie diese:

Und endlich auch ein Bahnhof, wie er sein sollte, offen für das Publikum und betreut von Personen, die für das gute Funktionieren der Eisenbahn verantwortlich sind:

Den schneebedeckten Bergen näherkommend, durch Tunnel und über Viadukte:

kommt man schließlich in Canfranc Estación an:

Rechts das prächtige Bahnhofsgebäude, leider nicht mehr zugänglich; vor vielen Jahren konnte man dort noch eintreten und das wundervolle Bauwerk und Einzelheiten von dessen Ausstattung im Stil der 20er Jahre betrachten.

Jetzt muß man sich mit dem Anschauen dieser Absperrung

bescheiden, um eine minimale Vorstellung von dem zu haben, was im großen Bahnhofsgebäude eingeschlossen ist.

Im Prinzip war Canfranc vorgesenen als Bahnhof auf der Strecke von Pau (Frankreich) nach Zaragoza, die wiederum als Verbindung europäischer Bedeutung zwischen Frankreich und Spanien konzipiert worden war.

Ich zitiere aus dem Artikel über den Bahnhof Canfranc der deutschsprachigen Wikipedia:
Am 11. Juli 1928 wurde die Strecke in Anwesenheit des spanischen Königs Alfons XIII. und des französischen Staatspräsidenten Gaston Doumergue eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt war der Bahnhof mit einer Länge von 241 m der größte Bahnhof in Spanien und der zweitgrößte in Europa. Ab dem 18. Juli 1928 gab es durchgehenden Verkehr zwischen Pau und Saragossa. Die erwartete große Zahl von Reisenden blieb aber ... aus: ... Hinzu kam, dass der Verkehr mehrfach ganz unterbrochen wurde: 1936 – 1940 in Folge des Spanischen Bürgerkriegs, 1944 – 1948 in Folge des Gegensatzes zwischen dem Franco-Spanien und Frankreich und seit 1970 endgültig, als auf französischer Seite bei einem Eisenbahnunfall die Brücke von l‘Estanguet einstürzte, nicht mehr aufgebaut und der Verkehr eingestellt wurde.

Der Kälte wegen die Entscheidung, den Abschied von Canfranc vorzuverlegen und mit dem Bus nach Jaca zu fahren (so auf eine halbe Stunde Bahnfahrt zu verzichten, obwohl die Fahrkarte bereits bezahlt ist ...) und auf den Zug aus Canfranc im Bahnhof Jaca zu warten, der nicht nur über die einer Bahnstation mit Tradition eigenen Attraktionen wie diese verfügt:

Auf der Tafel unten steht:
Diese Uhr zeigte im Bahnhof Jaca bis zum 12. Juni 2007 die Stunde an

sondern auch über eine ordentliche Wirtschaft.- In diesem Umfeld ist es angenehm, auf den Zug zur Rückfahrt nach Zaragoza zu warten:

der pünktlich ankam:

Montag, 1. November 2010

Gedenken an die Belagerungen 1808/09 von Zaragoza

Einen der Schlüsselpunkte der Geschichte von Zaragoza bilden die zwei Belagerungen durch die napoleonischen Truppen, die die Stadt in den Jahren 1808 und 1809 erlitt. Die Asociación Cultural "Los Sitios de Zaragoza" (Kulturvereinigung "Die Belagerungen von Zaragoza") kümmert sich darum, die Erinnerung an diese stadtgeschichtlichen Ereignisse lebendig zu erhalten. Am 1. November (Allerheiligen-Feiertag) jeden Jahres veranstaltet sie eine Ruta de los Sitios (Route der Belagerungen), dieses Jahr im Stadtteil San Pablo.

Heute beginnt der vorgesehene Rundgang, der zwanzigste, um 9:45 h zu Füßen des Turms der Kirche San Pablo:

Es treffen sich die, die in Uniformen und Kleidung der Epoche kommen, mit denen, die das Interesse an den historischen Ereignissen hierherführt:

Danach begeben sich alle auf den Weg durch die engen Straßen des Viertels, dort anhaltend, wo es etwas mit Bezug auf die Belagerungen zu erzählen gibt:

Kurz vor dem Abschluß, zum Ausgangspunkt zurückgekehrt, neben der Kirche San Pablo, bereiten sich drei Soldaten darauf vor, eine Salve abzufeuern:

Die ganze Veranstaltung, mit großer Beteiligung der Bevölkerung, erinnerte mich stärkstens an die Umzüge, die es jährlich in unserem Münchner Stadtteil in der Nacht von Heiligabend im Gedenken an die blutige Niederschlagung des Aufstandes im Jahre 1705 gegen die österreichische Besatzung gibt.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Basílica und Puente del Pilar

Das erste Mal in Zaragoza habe ich Interese daran, micht mit der Stadt ein wenig vertraut zu machen. Am späten Nachmittag beginne ich einen Rundgang. Ich gehe an der Basílica del Pilar vorbei, obwohl ich mich nie von ihr sehr angezogen fühlte, des mit ihr verbundenen Zuviels an Hispanität wegen; ich gehe rein, bleibe aber nicht lange. Anschließend überquere ich den Ebro über die Puente de Piedra und biege rechts ab, flußaufwärts.

Nach rückwärts (nach Westen, flußaufwärts) schauend entbehrt die Basílica del Pilar durchaus nicht eines gewissen Reizes, mehr noch zu dieser Spätnachmittagsstunde:

In die andere Richtung (nach Osten, flußabwärts) blickend erblicke ich eine Brücke, die meine Aufmerksamkeit auf sich zieht, die Puente del Pilar:

Über diese Brücke kehre ich an das andere Ufer zurück, und unvermeidlich kommen einem da Erinnerungen an Hamburg in den Kopf:

Und von der Brücke aus bieten sich noch reizvollere Blicke auf die so berühmte Basilika:

Belchite

Wenn man von Zaragoza nach Osten fahrend auf eine Hochebene gelangt ist, begegnet man einer ersten Spur des Bürgerkrieges:

und nach einigen weiteren Kilometern gelangt man, etwa 50 km von Zaragoza entfernt, nach Belchite.

Nach einer großen Schlacht im Jahr 1937 war es sehr zerstört. Nach dem Krieg errichtete man für seine Bewohner daneben einen komplett neuen Ort, während der alte Ort in dem Zustand gelassen wurde, in dem er sich befand:


Die Entscheidung, den Ort mit seinen Ruinen so zu lassen, wurde von der Siegerseite (den Putschmilitärs von 1936) in der Absicht getroffen, ihre Gegner in Mißkredit zu bringen, aber im Laufe der Jahrzehnte ist Alt-Belchite zu einem beeindruckenden Denkmal gegen den Krieg an sich geworden.

Samstag, 30. Oktober 2010

Von Aranda de Duero nach Zaragoza

Es ist nicht zu ändern, die Alternative bequem mit dem Zug von Aranda de Duero nach Zaragoza zu fahren, fand vor gut einem Vierteljahrhundert ihr Ende. Ich wußte, daß diese Route nun von der Autobusgesellschaft Linecar befahren wird: aber als ich die Fahrkarten via Internet lösen wollte ... - unmöglich, ich fand noch nicht einmal den entsprechenden Fahrplan. In meiner Verzweiflung rief ich das Unternehmen schließlich per Telephon an, und in aller Ruhe sagten sie mir dort, daß die Strecken z.B. von Segovia im Internet zu finden seinen, andere aber, und insbesondere die von Aranda de Duero nach Zaragoza, nicht.

Im Busbahnhof von Aranda de Duero eine halbe Stunde vor Abfahrt angekommen, ging ich sofort zum Schalter, wo mir versichert wurde, daß der Bus nach Zaragoza voll sei, was bedeutet: 5 Stunden des Wartens auf den nächsten Bus ...

Nun gut, am Ende stellte es sich heraus, daß der ankommende Bus zwar recht voll war, es in ihm aber gerade noch eine Lücke für zwei Personen gab ...

So gelangte man nach Soria, dort eine Pause von etwa 20 Minuten; al entrar en la estación de autobuses me fijé en un bar de aspecto simpático:

Mit Entschlossenheit begaben wir uns dorthin und fühlten uns recht wohl dort- die beste Erinnerung, die ich an diese Busreise nach Zaragoza bewahre ...

Man muß anerkennen, daß in Zaragoza der Busbahnhof neben dem Bahnhof liegt - nicht in zentraler Lage, aber immerhin, was den Bahnhof angeht, nicht derart entfernt vom Stadtzentrum wie der von Segovia oder Burgos.

Ein Bahnhofsvorplatz mit städtischem Ambiente fehlt, es gibt nur viel Straße und viel den Autos vorbehaltene Fläche:

Wenigstens hat man die Fahrräder nicht vollkommen vergessen (es gibt sogar, wie auf dem vorigen Bild zu sehen, einen Verleihdienst):

Der Bahnhof drinnen so funktional und kalt ...

... wie von außen häßlich:

Unten und kleiner der alte Bahnhof - Welch Gegensatz!

Samstag, 2. Oktober 2010

Furchteinflößende Stiere in Ayllón

Ayllón befindet sich in Feststimmung:

Und selbstverständlich bilden Stierkämpfe einen festen Bestandteil der Festlichkeiten:

Für heute sind nichts weniger als furchteinflößende Stiere - terroríficos toros - angekündigt worden:

Das lasse ich mir nicht entgehen, zumal es nach Ayllón recht nah ist.- So schön wie letztes Jahr war die jetzt aufgebaute Arena nicht:

Mein Platz war strategisch günstig gelegen: von der ersten Reihe aus sehe ich vor mir die für den Stierkampf getroffenen Vorkehrungen, zum Beispiel die capotes, die griffbereit für diejenigen bereitliegen, die anschließend mit ihnen agieren müssen:

Links von mir die "Ehrendamen (damas de honor)", schöne junge Frauen aus dem Ort:

Hinter mir, auf den Plätzen just unterhalb der Tribüne des Präsidiums, die Pressevertreter:

Zu Beginn des Stierkampfereignisses werden alle daran Beteiligten dem Präsidium vorgestellt:

Der zweite Stier (von insgesamt sechs) war alles andere als furchteinflößend; er war schon beim tanteo (der ersten Phase des Stierkampfes, bei der nur - ohne in Kampfhandlungen einzutreten - versucht wird, den Stier kennenzulernen) kaum in der Lage, sich auf seinen Beinen aufrechtzuerhalten:

Es tat einem leid, das arme Tier zu sehen, absolut ungeeignet für das Ritual des Stierkampfes.

Was mich überraschte, war, daß dem traurigen Schauspiel schließlich dadurch ein Ende gesetzt wurde, daß man das Tier vor dem ganzen Publikum mit einem Dolchstich tötete.- Einige Wochen zuvor erlebte ich ebenfalls die Situation, daß ein Stier nicht für den Stierkampf geeignet war, obgleich er längst nicht so hilflos wie der von heute war, und damals trabten cabestros (weniger wilde Artgenossen des Stiers) in die Arena, die den Stier heraus und zurück in den Stall führten.

Aber im übrigen war der Verlauf des Stierkampfes normal und spannend, mit Stieren die, sofern sie schon nicht furchteinflößend waren, sich doch zumindest in vielen Augenblicken furios gebärdeten, so, wie man es von ihnen in diesem Ambiente erwartet: